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Die Hinzuverdienstgrenze bei der Flexirente

Hinzuverdienstgrenze bei der Flexirente Sparschwein ud Taschenrechner
Aufgrund des demografischen Wandels hat der Gesetzgeber vor einigen Jahren das gesetzliche Rentenalter auf 67 Jahre angehoben. Um dieses hohe Renteneintrittsalter auch für den Arbeitnehmer attraktiv zu gestalten, bedarf es einer Anpassung des Arbeitsmarkts für Mitarbeiter im höheren Alter.
 
Neben inhaltlichen Bedingungen, wie einer wertvollen Aufgabe und einem altersgerechten Arbeitsumfeld, müssen finanzielle Anreize geboten werden, länger beruflich aktiv zu bleiben. Besonders eine frühzeitige Reduzierung der Arbeitszeit ab Mitte 50 bei einer Verlängerung der Berufstätigkeit bis 67 kann eine attraktive Lösung sein. Durch die Verringerung der Arbeitsbelastung wird schon vor Renteneintritt mehr freie Zeit für andere Aufgaben und persönliche Interessen gewonnen.
 
Damit dieses Modell für den Arbeitnehmer auch finanziell gewinnbringend gestaltet werden kann und gleichzeitig für den Arbeitgeber effizient bleibt, kann das Szenario in zwei Phasen umgesetzt werden:
 
Phase 1: Altersteilzeit (z.B. im Alter von 57 – 63 Jahren)
Phase 2: Normale Teilzeit-Arbeit und eine Flexirente von 63 – 67 J.
 

Aufgrund der Aufteilung in zwei Phasen kann der Arbeitnehmer trotz einer Anstellung in Teilzeit über die gesamten 10 Jahre ein hohes Nettoeinkommen verdienen und darüber hinaus finanzielle Nachteile bei der Rente verhindern. Durch den hinzutretenden Rentenbezug in Form der Flexirente erzielen Arbeitnehmer trotz Arbeitszeitreduzierung in der Regel ein deutlich höheres Gesamteinkommen, selbst wenn dies nur in Form einer Teilrente geschieht (die Teilrente kann zwischen 10  % und 99 % des vollen Rentenanspruchs betragen).

Der Arbeitgeber profitiert von diesem Modell, da die Aufstockungskosten für das Gehalt und die RV-Beiträge in der Altersteilzeit (ATZ) dabei auf 6 Jahre begrenzt werden und der Fachkräftemangel durch den längeren Einsatz der Mitarbeiter verringert werden kann.
 
Besonders die zweite Phase des Modells bietet einen entscheidenden Vorteil für alle Beteiligten. Die Kombination aus vorgezogener Rente bei gleichzeitiger Teilzeit-Arbeit macht es möglich, auch in der zweiten Phase ein hohes Nettoeinkommen zu generieren. Während der Weiterbeschäftigung zahlt der Arbeitnehmer weiterhin Beiträge in die Rentenkasse ein. Dadurch kann er nicht nur sein laufendes Einkommen deutlich erhöhen, sondern gleichzeitig auch seinen Rentenanspruch nach Erreichen der Regelaltersgrenze steigern.
 

Ein wesentliches Kriterium dieses Modells ist, dass der Hinzuverdienst in der Flexirente nicht der Rente angerechnet wird. Seit 2020 gilt (aufgrund der Corona-Pandemie) ein erhöhter Freibetrag zur Flexirente von 46.060€ im Jahr (vorher: 6.300 €/Jahr). Bis zu diesem zusätzlichen Einkommen findet keine Kürzung der Rente statt. Der Arbeitnehmer behält in diesem Rahmen trotz Hinzuverdienst die volle Rente.

Im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung wurde angekündigt, diese bisher vorübergehende Erhöhung des Freibetrags „zu entfristen“, also dauerhaft zu erhalten. Diese Entfristung ist aktuell in Verhandlung und wurde noch nicht beschlossen.
 

Fassen wir die wesentlichen Aspekte dieses Modells zusammen:

  • Das durchschnittliche Renteneintrittsalter liegt aktuell bei etwa 64,5 Jahren, also beachtlich unter dem gesetzlichen Renteneintrittsalter von 67 Jahren. Grund ist die bestehende Möglichkeit, bereits mit 63 Jahren in Rente zu gehen, mit einer Rentenkürzung von gewöhnlich 14,4 %.
  • Durch altersgerechte Arbeitsplätze können wir dafür sorgen, dass Arbeiten auch im Alter noch Freude macht, statt zu belasten. Dafür ist eine sinnvolle Teilzeitregelung ein geeignetes Mittel. Diese muss sich jedoch auch finanziell deutlich auszahlen, sowohl in der aktiven Arbeitsphase als auch dauerhaft durch eine bessere Rente. Das kann die Flexirente ab 63 ermöglichen.  
  • Eine erneute Anrechnung eines zusätzlichen Arbeitseinkommens auf die Teilrente würde jeglichen finanziellen Anreiz auflösen und damit eher wieder zu einem frühen Renteneintritt anregen.
  • Eine Entfristung der erhöhten Hinzuverdienstgrenze würde eine positive Entwicklung darstellen, die Arbeitnehmern bei der Gestaltung ihres Renteneintritts Planungssicherheit geben und dabei helfen könnte, sie zu einer Berufstätigkeit bis ins hohe Alter zu ermutigen.
Alle Betroffenen können von diesem Modell profitieren. Unternehmen halten ihre Fachkräfte und wertvolle Kompetenzen bei einer Verringerung der durchschnittlichen Aufstockungskosten für Gehalt und RV-Beiträge. Arbeitnehmer können ihre Arbeitszeit ihrem Alter entsprechend reduzieren, weiterhin in die Rente einzahlen und haben gleichzeitig mehr Geld zur Verfügung, was wiederum die Kaufkraft stärkt. Der Staat profitiert durch mehr Steuereinnahmen und sogar die Rentenversicherung gewinnt zusätzliche Beitragseinnahmen.
 

Wir möchten auf diese Zusammenhänge hinweisen, um bei den Entscheidern ein Bewusstsein dafür zu schaffen und werden Sie auf dem aktuellen Stand der Entwicklungen halten.

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